Das Prager Tagblatt

Das Prager Tagblatt entwickelte sich nach 1900 zu einer der aufregendsten und hochkarätigsten Tageszeitungen Europas.
Es beschäftigte einige der berühmtesten Feuilletonisten der Zeit:
Egon Erwin Kisch, Joseph Roth, Alfred Polgar, Anton Kuh, Max Brod, Alfred Döblin und viele andere. Außerdem verfügte es über exzellente Auslandskorrespondenten und veröffentlichte andere große Feuilletons befreundeter Redaktionen, u.a. Texte von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Sling und Victor Auburtin.

Seit einigen Jahren stellt die Wiener Nationalbibiliothek die Ausgaben im Netz zur Verfügung. Der Blog dokumentiert Entdeckungen, die mir beim Stöbern aufgefallen sind und die vielleicht auch andern Literaturfreunden Spaß machen - denn der größte Teil der Texte ist nie in Buchform erschienen bzw. nur noch schwer zu erreichen.

Das gerühmte Feuilleton nach 1900 steht dabei im Zentrum dieser Anthologie - aber ich werde natürlich auch auf bemerkenswerte Meldungen aller Jahrgänge und interessante Artikel des 19. Jahrhunderts aufmerksam machen.

Freitag, 17. Juli 2009

A. Kreuzer: Die neuesten Blitzzüge (1897)

Nach großen belletristischen Schätzen sucht man im PT vor 1900 meist vergeblich (Ausnahmen bestätigen die Regel) - hier herrscht die damals allseits beliebte Plauderwut vor, zuweilen werden sentimentale oder reißerische Geschichten eingeschoben. Interessant bleiben, wie hier schon öfter erwähnt, Texte, die soziologische oder historische Aspekte enthalten.
Dieser hier ist erfrischend nüchtern und sachlich, der Autor berichtet von der rasanten Entwicklung der Eisenbahn in Europa und Amerika - in der Tat fuhren viele Bahnen schon mit durchschnittlich 80 km/h, Rekordfahrten erreichten grade die 100 km/h - Grenze. Kreuzer schätzt die Zukunft der Bahn völlig richtig ein:

"Will man die Schnelligkeit noch weiter steigern, dann gibt es dafür nur eine Möglichkeit: man muß den Dampf verlassen und zur Electricität, die eine viel sanftere Gangart für den Zug ergibt und die Maschine bei gleichem Gewicht eine größere Kraft entwickeln läßt, übergehen - eine Wandlung, die sich gegenwärtig ja bereits vorbereitet."

Ausgabe vom 7.5. 1897, Seite 1 u. 2

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