Liebe Freunde des PT,
da hier doch immer wieder ein paar Nutzer landen, die vielleicht auf eine Fortsetzung warten -
leider bin ich bis zum Mai 2010 mit einem Rundfunk-Projekt so ausgelastet, daß kaum Zeit bleibt, diesen Blog fortzusetzen. Dann aber solls weitergehen!
Ab März wird es aller Voraussicht nach auch endlich eine zweite qualitätiv gleichwertige Zeitung im Netz geben: Das Vossische Zeitung 1918-34. (Erstellt von der Berliner Staatsbibliothek). Sicher lohnt auch dort ein Entdeckungs-Blog.
Mal sehen, ob die Zeit ausreicht...
Herzliche Grüße,
Matthias
Das Prager Tagblatt
Das Prager Tagblatt entwickelte sich nach 1900 zu einer der aufregendsten und hochkarätigsten Tageszeitungen Europas.
Es beschäftigte einige der berühmtesten Feuilletonisten der Zeit:
Egon Erwin Kisch, Joseph Roth, Alfred Polgar, Anton Kuh, Max Brod, Alfred Döblin und viele andere. Außerdem verfügte es über exzellente Auslandskorrespondenten und veröffentlichte andere große Feuilletons befreundeter Redaktionen, u.a. Texte von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Sling und Victor Auburtin.
Seit einigen Jahren stellt die Wiener Nationalbibiliothek die Ausgaben im Netz zur Verfügung. Der Blog dokumentiert Entdeckungen, die mir beim Stöbern aufgefallen sind und die vielleicht auch andern Literaturfreunden Spaß machen - denn der größte Teil der Texte ist nie in Buchform erschienen bzw. nur noch schwer zu erreichen.
Das gerühmte Feuilleton nach 1900 steht dabei im Zentrum dieser Anthologie - aber ich werde natürlich auch auf bemerkenswerte Meldungen aller Jahrgänge und interessante Artikel des 19. Jahrhunderts aufmerksam machen.
Es beschäftigte einige der berühmtesten Feuilletonisten der Zeit:
Egon Erwin Kisch, Joseph Roth, Alfred Polgar, Anton Kuh, Max Brod, Alfred Döblin und viele andere. Außerdem verfügte es über exzellente Auslandskorrespondenten und veröffentlichte andere große Feuilletons befreundeter Redaktionen, u.a. Texte von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Sling und Victor Auburtin.
Seit einigen Jahren stellt die Wiener Nationalbibiliothek die Ausgaben im Netz zur Verfügung. Der Blog dokumentiert Entdeckungen, die mir beim Stöbern aufgefallen sind und die vielleicht auch andern Literaturfreunden Spaß machen - denn der größte Teil der Texte ist nie in Buchform erschienen bzw. nur noch schwer zu erreichen.
Das gerühmte Feuilleton nach 1900 steht dabei im Zentrum dieser Anthologie - aber ich werde natürlich auch auf bemerkenswerte Meldungen aller Jahrgänge und interessante Artikel des 19. Jahrhunderts aufmerksam machen.
Donnerstag, 14. Januar 2010
Sonntag, 13. September 2009
Auf dem Höhepunkt: Typische Wochenendausgabe der Glanzzeit (1924)
In den "Goldenen Zwanzigern", in den drei Jahren 1924, 25, und 26 erreichte die Qualität des PT einen unüberbietbaren Höhepunkt. Der Redaktion war es gelungen, praktisch alle wichtigen demokratisch-liberalen Feuilletonautoren an sich zu binden oder Zweitdrucke von ihnen verwenden zu dürfen.
Konkurrenz brauchte das PT im deutschsprachigen Bereich eigetlich nur noch vom Berliner Tageblatt und der Frankfurter Zeitung zu fürchten.
Die einst so berühmte "Freie Neue Presse" aus Wien, in den frühen Tagen des PT eine ungleich gewichtigtere Zeitung, ist längst abgeschlagen.
Hier ein Beispiel aus dem Jahr 1924, die Sonntagsausgabe vom 13. April.
*Humorist Robert Scheu und Egon Erwin Kisch (aus Kopenhagen) beherrschen die Feuilleton-Seite Drei .
*Theodor Lessing fragt auf Seite 4: "Wer lebt glücklich in Prag?"
*Auf Seite Sieben folgt der Gerichtsbericht von einem der besten Gerichtsreporter der Zeit, Hugo Feigl (-ei) : "Das Modell"
*Auf Seite 9 berichtet Alfred Polgar aus Wien vom Neusten aus der Wiener Theaterszene.
*Auf Seite 10 gibts einen kleinen Artikel des Kästner-Freundes und Weltbühnenautors Hans Natonek: "Die Kunst der Schlagfertigkeit"
*Die Wochenendbeilage bringt unter andrem einen Text eines weiteren großen deutschen Feuilletonisten, der schon vor dem Ersten Weltkrieg zu den Protagonisten der literarischen Moderne gehörte: Oskar Maurus Fonatana ("Die Mutter und die Wölfe")
*Und zu guter Letzt bespricht Max Brod auf der Bücherseite Max Mells "Apostelspiel"
Zum Vergleich:
Die Neue Freie Presse vom selben Tag wirkt dagegen geradezu altbacken und bietet nur zwei halbwegs bekannte Namen: Felix Salten und Gabriele Reuter.
Konkurrenz brauchte das PT im deutschsprachigen Bereich eigetlich nur noch vom Berliner Tageblatt und der Frankfurter Zeitung zu fürchten.
Die einst so berühmte "Freie Neue Presse" aus Wien, in den frühen Tagen des PT eine ungleich gewichtigtere Zeitung, ist längst abgeschlagen.
Hier ein Beispiel aus dem Jahr 1924, die Sonntagsausgabe vom 13. April.
*Humorist Robert Scheu und Egon Erwin Kisch (aus Kopenhagen) beherrschen die Feuilleton-Seite Drei .
*Theodor Lessing fragt auf Seite 4: "Wer lebt glücklich in Prag?"
*Auf Seite Sieben folgt der Gerichtsbericht von einem der besten Gerichtsreporter der Zeit, Hugo Feigl (-ei) : "Das Modell"
*Auf Seite 9 berichtet Alfred Polgar aus Wien vom Neusten aus der Wiener Theaterszene.
*Auf Seite 10 gibts einen kleinen Artikel des Kästner-Freundes und Weltbühnenautors Hans Natonek: "Die Kunst der Schlagfertigkeit"
*Die Wochenendbeilage bringt unter andrem einen Text eines weiteren großen deutschen Feuilletonisten, der schon vor dem Ersten Weltkrieg zu den Protagonisten der literarischen Moderne gehörte: Oskar Maurus Fonatana ("Die Mutter und die Wölfe")
*Und zu guter Letzt bespricht Max Brod auf der Bücherseite Max Mells "Apostelspiel"
Zum Vergleich:
Die Neue Freie Presse vom selben Tag wirkt dagegen geradezu altbacken und bietet nur zwei halbwegs bekannte Namen: Felix Salten und Gabriele Reuter.
Samstag, 12. September 2009
Max Osborn: Die moderne Kunst im deutschen Reichstage (1904)
Die starre, reaktionäre Haltung des deutschen Kaisers und seiner Minister gegenüber fortschrittlicher Kunst sorgte nach 1900 für immer mehr Antipathie in der Öffentlichkeit, die auch auf konservative Kreise überging. Das skandalöse Ausgrenzen und Diskreditieren von Künstlern wie Walter Leistikow wurde 1904 im Reichstag diskutiert, wo der deutschen Regierung eine ungewöhnliche Kälte entgegenschlug.
Anlaß war das Verbot an alle führenden Künstler des Reiches, sich an der Weltausstellung in St. Louis zu beteiligen - eine Aktion, die schon an kommende nationalsozialistische Repressalien gegen "entartete Kunst" erinnert.
"Auch diejenigen Abgeordneten, die offen erklärten, seien persönlich keine Freunde der modernen Kunst - wobei es oft ein bißchen kunterbunt herging! - betonten mit aller Energie, daß die Regierung der Kunst gegenüber keine Bevormundung treiben dürfe, sondern der Entwicklung ihre absolute und unumschränkte Freiheit lassen müsse!"
Hinter dem Kürzel D. M. O-n. verbirgt sich der ständige Berlin-Korrespondent des PT, Max Osborn (1870-1946), der später zur Vossischen Zeitung wechselte und auch dort vor allem über Kunst schrieb. Seine Bücher zurden 1933 auf dem Opernplatz verbrannt.
Ausgabe vom 18.2. 1904
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Anlaß war das Verbot an alle führenden Künstler des Reiches, sich an der Weltausstellung in St. Louis zu beteiligen - eine Aktion, die schon an kommende nationalsozialistische Repressalien gegen "entartete Kunst" erinnert.
"Auch diejenigen Abgeordneten, die offen erklärten, seien persönlich keine Freunde der modernen Kunst - wobei es oft ein bißchen kunterbunt herging! - betonten mit aller Energie, daß die Regierung der Kunst gegenüber keine Bevormundung treiben dürfe, sondern der Entwicklung ihre absolute und unumschränkte Freiheit lassen müsse!"
Hinter dem Kürzel D. M. O-n. verbirgt sich der ständige Berlin-Korrespondent des PT, Max Osborn (1870-1946), der später zur Vossischen Zeitung wechselte und auch dort vor allem über Kunst schrieb. Seine Bücher zurden 1933 auf dem Opernplatz verbrannt.
Ausgabe vom 18.2. 1904
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Mittwoch, 29. Juli 2009
Gabriele Tergit - Liebe und Ehe im neuen Russland (1931)
Gabriele Tergit war nicht nur eine der bedeutendsten Feuilletonistinnen der Weimarer Republik, sondern eine der besten Gerichtsreporterinnen ihrer Zeit. Hier bespricht sie einen Band mit russsichen Gerichtsreportagen aus der Sowjetunion, genauer gesagt, aus der Prawda (Autor: Mattwej Liedermann), der im linken Malik-Verlag erscheinen ist.
Wie auch in den eigenen Gerichtsreportagen gibt sich Gabriele Tergit kühl, aber nicht unemotional, sehr klug abwägend und fesselnd. Sie ist beeindruckt davon, daß sich die zivilen Gerichtsprozesse im kommunisitischen Land nicht sonderlich von denen in andern Ländern unterscheiden.
"Es zeigt sich, daß der Kreaturschmerz der Gleiche bleibt, unter völlig veränderter Auffassung religiöser und gesellschaftlicher Bindungen wie der Ehe, des unehelichen Kindes und der Abtreibung, daß sub specie humanitatis der gewaltige kommunistische Lösungsversuch brennender Menschheitsfragen in diesen Dingen auch keine Lösung bringen kann."
Ausgabe vom 8.3.1931, Seite 3
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Wie auch in den eigenen Gerichtsreportagen gibt sich Gabriele Tergit kühl, aber nicht unemotional, sehr klug abwägend und fesselnd. Sie ist beeindruckt davon, daß sich die zivilen Gerichtsprozesse im kommunisitischen Land nicht sonderlich von denen in andern Ländern unterscheiden.
"Es zeigt sich, daß der Kreaturschmerz der Gleiche bleibt, unter völlig veränderter Auffassung religiöser und gesellschaftlicher Bindungen wie der Ehe, des unehelichen Kindes und der Abtreibung, daß sub specie humanitatis der gewaltige kommunistische Lösungsversuch brennender Menschheitsfragen in diesen Dingen auch keine Lösung bringen kann."
Ausgabe vom 8.3.1931, Seite 3
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Samstag, 25. Juli 2009
Klaus Mann: Wert der Ehre (1933)
Diese kleine, an Scott Fitzgerald erinnernde Krimi-Geschichte von Thomas Manns berühmtem Sohn ("Mephisto") erschien nur wenige Wochen, nachdem er nach Paris emigriert war. Nichts in ihr deutet auf die akuten Probleme der Epoche hin, vermutlich stammt sie aus der Zeit vor der "Machtergreifung". (Andererseits legt der Schauplatz Paris nahe, daß es eine relativ neue Arbeit sein könnte. )
Entgegen hartnäckiger Legenden avancierte das PT nur kurzfristig zu einer bedeutenden deutschen Exil-Zeitschrift, und zwar in den Jahren 1933/34, wo viele vertriebene Dichter sich dort zu Wort meldeten. Aus verschiedenen komplizierten Gründen nahm die Qualität des Blattes ab 1935 dann langsam, aber kontinuierlich ab.
"Der junge Gentleman, der das anspruchsvolle Juwelengeschäft der Champs Elysées vormittags um halb elf Uhr siegesgewiß betrat, machte, mit kariertem Anzug, Monokel, weißen Gamaschen, den Eindruck dessen, der zu reisen gewohnt ist, Geld reichlich hat und es noch reichlicher ausgibt, eine Wohnung in London und Paris besitzt, Freundinnen aber auch in anderen Städten."
Ausgabe vom 4. April 1933, Wochenendbeilage
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Entgegen hartnäckiger Legenden avancierte das PT nur kurzfristig zu einer bedeutenden deutschen Exil-Zeitschrift, und zwar in den Jahren 1933/34, wo viele vertriebene Dichter sich dort zu Wort meldeten. Aus verschiedenen komplizierten Gründen nahm die Qualität des Blattes ab 1935 dann langsam, aber kontinuierlich ab.
"Der junge Gentleman, der das anspruchsvolle Juwelengeschäft der Champs Elysées vormittags um halb elf Uhr siegesgewiß betrat, machte, mit kariertem Anzug, Monokel, weißen Gamaschen, den Eindruck dessen, der zu reisen gewohnt ist, Geld reichlich hat und es noch reichlicher ausgibt, eine Wohnung in London und Paris besitzt, Freundinnen aber auch in anderen Städten."
Ausgabe vom 4. April 1933, Wochenendbeilage
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Gustav Hochstetter: Schweigend wandern! (1913)
Eine tiefe Verneigung vor dem Humoristen Hochstetter, der sich 1913 sehr prophetisch mit den Problemen der Generation von 2009 auseinandersetzte. In dieser Science-Fiction-Geschichte schenkt die Frau eines Firmenleiters ihrem Mann ein Mobiltelefon, das er im Urlaub vorfindet - und ihm den Spaß verdirbt. Am Ende tut er das einzig Richtige - er schmeißt es weg. Hut ab - die waren verdammt gut in Voraussagen vor 100 Jahren!
...Zutiefst im Rucksack fand er eine verdächtige Schachtel...
Er öffnete sie...
Ein seltsamer Apparat lag darin...Er wendete ihn hin und her...
Da schmetterte es aus dem Apparat heraus: "Ja, ja Ludwig, da staunst du? Eine Menge Geld hat das Ding gekostet! Eine ganz neue Erfindung: Das tragbare, drahtlose Telephon in Miniaturformat. Red du doch mal was, Ludwig?"
Ausgabe vom 17.8.1913
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...Zutiefst im Rucksack fand er eine verdächtige Schachtel...
Er öffnete sie...
Ein seltsamer Apparat lag darin...Er wendete ihn hin und her...
Da schmetterte es aus dem Apparat heraus: "Ja, ja Ludwig, da staunst du? Eine Menge Geld hat das Ding gekostet! Eine ganz neue Erfindung: Das tragbare, drahtlose Telephon in Miniaturformat. Red du doch mal was, Ludwig?"
Ausgabe vom 17.8.1913
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Freitag, 24. Juli 2009
Rundfrage: Welche Bücher schenken Sie zu Weihnachten? (1925)
Je berühmter die Zeitung, desto größer die Chance, daß Prominente auf die in den 20ern so beliebten Rundfragen antworten. Das PT hatte da gute Karten - und nutzte sie oft.
Auf die Frage antworteten in dieser Ausgabe:
Thomas Mann
Heinrich Mann
Kasimir Edschmid
Hans Reimann
Hermann Bahr
Siegfried Jacobsohn
Max Brod.
"Heinrich Manns großartigen Zeitroman "Der Kopf""
Thomas Mann
"Sie fragen einen Romanschriftsteller, welche Bücher er verschenkt? Seine eigenen natürlich. Denn erstens halte ich sie für durchaus geeignet, Freude zu machen. Zweitens sind sie billig, und umsomehr sie unter die Leute kommen, desto besser ist es für sie."
Heinrich Mann
"Franz Kafkas Roman "Der Prozeß""
Max Brod
Ausgabe vom 29.11.1925
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Auf die Frage antworteten in dieser Ausgabe:
Thomas Mann
Heinrich Mann
Kasimir Edschmid
Hans Reimann
Hermann Bahr
Siegfried Jacobsohn
Max Brod.
"Heinrich Manns großartigen Zeitroman "Der Kopf""
Thomas Mann
"Sie fragen einen Romanschriftsteller, welche Bücher er verschenkt? Seine eigenen natürlich. Denn erstens halte ich sie für durchaus geeignet, Freude zu machen. Zweitens sind sie billig, und umsomehr sie unter die Leute kommen, desto besser ist es für sie."
Heinrich Mann
"Franz Kafkas Roman "Der Prozeß""
Max Brod
Ausgabe vom 29.11.1925
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