Das Prager Tagblatt

Das Prager Tagblatt entwickelte sich nach 1900 zu einer der aufregendsten und hochkarätigsten Tageszeitungen Europas.
Es beschäftigte einige der berühmtesten Feuilletonisten der Zeit:
Egon Erwin Kisch, Joseph Roth, Alfred Polgar, Anton Kuh, Max Brod, Alfred Döblin und viele andere. Außerdem verfügte es über exzellente Auslandskorrespondenten und veröffentlichte andere große Feuilletons befreundeter Redaktionen, u.a. Texte von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Sling und Victor Auburtin.

Seit einigen Jahren stellt die Wiener Nationalbibiliothek die Ausgaben im Netz zur Verfügung. Der Blog dokumentiert Entdeckungen, die mir beim Stöbern aufgefallen sind und die vielleicht auch andern Literaturfreunden Spaß machen - denn der größte Teil der Texte ist nie in Buchform erschienen bzw. nur noch schwer zu erreichen.

Das gerühmte Feuilleton nach 1900 steht dabei im Zentrum dieser Anthologie - aber ich werde natürlich auch auf bemerkenswerte Meldungen aller Jahrgänge und interessante Artikel des 19. Jahrhunderts aufmerksam machen.

Freitag, 17. Juli 2009

B. Hieronymus: Luftkrieg und Luftschlösser (1908)

Angerichts der Fortschritte der deutschen Regierung, insbesondere des Grafen Zeppelin beim Bau von Luftschiffen begannen die Feuilletons Spekulationen darüber anzustellen, wie denn wohl die Zukunft in militärischer Hinsicht aussehen könnte. Einerseits rechnete man schon mit Luftkriegen, aber unser Leitartikler sieht die Sache eher optimistisch, er verfolgt ähnliche Gedankengänge wie einst die Erfinder der Atombombe, die glaubten, grade die Gefährlichkeit der Waffe mache Kriege später überflüssig. Allerdings kreisen seine Gedanken noch nicht so sehr um Bomben, sondern eher um Aufklärungsmöglichkeiten.

"Die Heere werden auch dann noch immer, genauso wie heute - in vielen langen Parallelkolonnen - welche von ferne gesehen bekanntlich dünnen häßlichen Regenwürmern gleichen, auf dem Erdboden aufeinander zukriechen, und in der Hauptsache auf der Scholle selbst den Hader ihrer Vaterländer blutig austragen. Den Luftschiffern wird nur die sekundäre Aufgabe zufallen, sich die Sache von oben genau [?] anzusehen..."


Alle Spekulationen, Hoffnungen und Ängste zerplatzten aber nur wenige Tage nach Erscheinen dieses Artikels buchstäblich, als Zeppelins Luftschiff-Prototyp in einen Wirbelwind geriet und explodierte. Siehe PT vom 6.August 1908

Ausgabe vom 26.7.1908, Seite 1 u. 2

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