Das Prager Tagblatt

Das Prager Tagblatt entwickelte sich nach 1900 zu einer der aufregendsten und hochkarätigsten Tageszeitungen Europas.
Es beschäftigte einige der berühmtesten Feuilletonisten der Zeit:
Egon Erwin Kisch, Joseph Roth, Alfred Polgar, Anton Kuh, Max Brod, Alfred Döblin und viele andere. Außerdem verfügte es über exzellente Auslandskorrespondenten und veröffentlichte andere große Feuilletons befreundeter Redaktionen, u.a. Texte von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Sling und Victor Auburtin.

Seit einigen Jahren stellt die Wiener Nationalbibiliothek die Ausgaben im Netz zur Verfügung. Der Blog dokumentiert Entdeckungen, die mir beim Stöbern aufgefallen sind und die vielleicht auch andern Literaturfreunden Spaß machen - denn der größte Teil der Texte ist nie in Buchform erschienen bzw. nur noch schwer zu erreichen.

Das gerühmte Feuilleton nach 1900 steht dabei im Zentrum dieser Anthologie - aber ich werde natürlich auch auf bemerkenswerte Meldungen aller Jahrgänge und interessante Artikel des 19. Jahrhunderts aufmerksam machen.

Montag, 20. Juli 2009

Alfred Grünewald: Das Tierreich (1936)

Alfred Grünewald (nicht zu verwechseln mit dem Operettenlibrettisten Alfred Grünwald) ist vor allem als österreichischer Aphoristiker in die Geschichte eingegangen. Einst in Wiener Literaturkreisen bekannt und geachtet, geriet er nach dem 2. Weltkrieg fast ganz in Vergessenheit. Er taucht in den letzten traurigen Jahren des PT vermehrt auf; zu einer Zeit, in der man kaum noch über banale Themen reden mochte, hielt er einen munteren Feuilleton-Ton aufrecht mit Späßen, die eigentlich in die 20er gehören. Viele Leser hat er damit trotzdem oder grade deshalb von ihren Sorgen abgelenkt. Hier erinnert er sich an ein Lieblingsbuch seiner Kindheit, "Pokornys Tierreich".

"Ein mystischer Nymbus umgab den Grottenolm: ein Wurm und doch kein Wurm, dabei von rosenroter Farbe, durch Lungen und Kiemen atmend (wie macht man das?) und blind. Ich werde ihn ebensowenig vergessen wie die im Wasser flanierenden gläsernen Sonnenschirme, Quallen und Medusen genannt."

Ausgabe vom 3.5.1936, Sonntagsbeilage

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