Das PT gehört zu den wenigen Blättern während des ersten Weltkriegs, die es trotz Zensur immer wieder geschafft haben, extrem kritisch, ja pazifistisch aufzutreten. Zwar werden Sie beim Stöbern immer auch auf weiße Zensur-Felder stoßen oder auf offiziöse Heeresberichte, aber der nüchterne, oft schon an Remarque erinnernde brutale Tonfall der Front-Berichterstattung oder der freche Paralleldruck eigener und feindlicher Einschätzungen der Lage machen das Blatt zu den erträglichsten und verläßlichsten Quellen des ersten Weltkriegs. Auch im Feuilleton herrscht mitunter ein ungewöhnlich scharfer Tonfall. Alfred Polgar (hier: a.p.)erzählt etwa im Mai 1918 von einem Mann, dessen gesamte Familie durch den Krieg ausgerottet wurde.
"Ihr solltet jedenfalls die Geschichte von dem Mann aus Tanna im Gebet vor Gottes Thron bringen. Vielleicht geschähe dann das heißersehnte Mirakel: Daß sich die Erde spaltete und das ganze Geschlecht der Schlachtenpreiser und Stahlbadediener verschlänge wie einst die weit harmlosere Rotte Korah."
Ausgabe vom 19.05.1918, Seite 3
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Das Prager Tagblatt
Das Prager Tagblatt entwickelte sich nach 1900 zu einer der aufregendsten und hochkarätigsten Tageszeitungen Europas.
Es beschäftigte einige der berühmtesten Feuilletonisten der Zeit:
Egon Erwin Kisch, Joseph Roth, Alfred Polgar, Anton Kuh, Max Brod, Alfred Döblin und viele andere. Außerdem verfügte es über exzellente Auslandskorrespondenten und veröffentlichte andere große Feuilletons befreundeter Redaktionen, u.a. Texte von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Sling und Victor Auburtin.
Seit einigen Jahren stellt die Wiener Nationalbibiliothek die Ausgaben im Netz zur Verfügung. Der Blog dokumentiert Entdeckungen, die mir beim Stöbern aufgefallen sind und die vielleicht auch andern Literaturfreunden Spaß machen - denn der größte Teil der Texte ist nie in Buchform erschienen bzw. nur noch schwer zu erreichen.
Das gerühmte Feuilleton nach 1900 steht dabei im Zentrum dieser Anthologie - aber ich werde natürlich auch auf bemerkenswerte Meldungen aller Jahrgänge und interessante Artikel des 19. Jahrhunderts aufmerksam machen.
Es beschäftigte einige der berühmtesten Feuilletonisten der Zeit:
Egon Erwin Kisch, Joseph Roth, Alfred Polgar, Anton Kuh, Max Brod, Alfred Döblin und viele andere. Außerdem verfügte es über exzellente Auslandskorrespondenten und veröffentlichte andere große Feuilletons befreundeter Redaktionen, u.a. Texte von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Sling und Victor Auburtin.
Seit einigen Jahren stellt die Wiener Nationalbibiliothek die Ausgaben im Netz zur Verfügung. Der Blog dokumentiert Entdeckungen, die mir beim Stöbern aufgefallen sind und die vielleicht auch andern Literaturfreunden Spaß machen - denn der größte Teil der Texte ist nie in Buchform erschienen bzw. nur noch schwer zu erreichen.
Das gerühmte Feuilleton nach 1900 steht dabei im Zentrum dieser Anthologie - aber ich werde natürlich auch auf bemerkenswerte Meldungen aller Jahrgänge und interessante Artikel des 19. Jahrhunderts aufmerksam machen.
Montag, 20. Juli 2009
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