Das Prager Tagblatt

Das Prager Tagblatt entwickelte sich nach 1900 zu einer der aufregendsten und hochkarätigsten Tageszeitungen Europas.
Es beschäftigte einige der berühmtesten Feuilletonisten der Zeit:
Egon Erwin Kisch, Joseph Roth, Alfred Polgar, Anton Kuh, Max Brod, Alfred Döblin und viele andere. Außerdem verfügte es über exzellente Auslandskorrespondenten und veröffentlichte andere große Feuilletons befreundeter Redaktionen, u.a. Texte von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Sling und Victor Auburtin.

Seit einigen Jahren stellt die Wiener Nationalbibiliothek die Ausgaben im Netz zur Verfügung. Der Blog dokumentiert Entdeckungen, die mir beim Stöbern aufgefallen sind und die vielleicht auch andern Literaturfreunden Spaß machen - denn der größte Teil der Texte ist nie in Buchform erschienen bzw. nur noch schwer zu erreichen.

Das gerühmte Feuilleton nach 1900 steht dabei im Zentrum dieser Anthologie - aber ich werde natürlich auch auf bemerkenswerte Meldungen aller Jahrgänge und interessante Artikel des 19. Jahrhunderts aufmerksam machen.

Sonntag, 19. Juli 2009

Ernst Lubitsch: Was in Amerika anders ist. (1923)

"Hollywood, die große Schmiede des amerikanischen Films, hat auch nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem, was man sich in Deutschland darunter vorstellt. Ich jedenfalls habe eine große Enttäuschung erlebt, und zwar, das sei vorweg bemerkt, eine überaus angenehme."


In der Sonntagsrubrik "Aus der Welt des Films" erzählt der berühmte Regisseur von seinen Erfahrungen in Amerika. Lubitsch war schon weltbekannt wegen seiner großen Spektakel-Filme (Anna Boleyn, Sumurun) , in Deutschland aber auch wegen seiner durchgeknallten Komödien (Die Bergkatze, Die Puppe, die Austernprinzessin). In Amerika sollte er seinen neuen Komödienstil entwickeln, der als bahnbrechend gilt - Regisseure wie Billy Wilder zählten sich zu seinen Schülern.
Sensationell an dem PT-Artikel ist nicht so sehr sein Inhalt, sondern die Tatsache, daß es ihn überhaupt gibt - Lubitsch war nicht sehr verschwenderisch mit Presseauftritten.
Was damals noch nicht klar war - Lubitsch wird nicht wieder nach Deutschland zurückkehren.


Ausgabe vom 24.6. 1923, Wochenendbeilage

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