Das Prager Tagblatt

Das Prager Tagblatt entwickelte sich nach 1900 zu einer der aufregendsten und hochkarätigsten Tageszeitungen Europas.
Es beschäftigte einige der berühmtesten Feuilletonisten der Zeit:
Egon Erwin Kisch, Joseph Roth, Alfred Polgar, Anton Kuh, Max Brod, Alfred Döblin und viele andere. Außerdem verfügte es über exzellente Auslandskorrespondenten und veröffentlichte andere große Feuilletons befreundeter Redaktionen, u.a. Texte von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Sling und Victor Auburtin.

Seit einigen Jahren stellt die Wiener Nationalbibiliothek die Ausgaben im Netz zur Verfügung. Der Blog dokumentiert Entdeckungen, die mir beim Stöbern aufgefallen sind und die vielleicht auch andern Literaturfreunden Spaß machen - denn der größte Teil der Texte ist nie in Buchform erschienen bzw. nur noch schwer zu erreichen.

Das gerühmte Feuilleton nach 1900 steht dabei im Zentrum dieser Anthologie - aber ich werde natürlich auch auf bemerkenswerte Meldungen aller Jahrgänge und interessante Artikel des 19. Jahrhunderts aufmerksam machen.

Freitag, 10. Juli 2009

Eugen Szatmari: Fahnenweihe der Hittler-Garde (1922)

Eugen Szatmari (E. Sz.), der hochtalentierte Deutschlandkorrespondent des PT, besucht 1922 in München eine Nazi-Veranstaltung. Amüsant: Hitler ist noch so unbekannt, daß weder Autor noch Redakteur den Schreibfehler im Namen bemerken.
Szatmari faßt schon 1922 Hitlers Charakter erstaunlich prägnant zusammen:

"Führer der Münchner Nazionalsozialisten ist Hittler, der bairische Mussolini, der diesen Namen eher scherzweise als im Ernst verdient. Früher Plakatmaler und Boheme dritter Garnitur, gehört er zu jenen reinen Schlagwortmenschen ohne Ideen, die sich durch Demagogie eine Position schaffen wollen."

Ausgabe vom 11.11.1922, Seite 3

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