Das Prager Tagblatt

Das Prager Tagblatt entwickelte sich nach 1900 zu einer der aufregendsten und hochkarätigsten Tageszeitungen Europas.
Es beschäftigte einige der berühmtesten Feuilletonisten der Zeit:
Egon Erwin Kisch, Joseph Roth, Alfred Polgar, Anton Kuh, Max Brod, Alfred Döblin und viele andere. Außerdem verfügte es über exzellente Auslandskorrespondenten und veröffentlichte andere große Feuilletons befreundeter Redaktionen, u.a. Texte von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Sling und Victor Auburtin.

Seit einigen Jahren stellt die Wiener Nationalbibiliothek die Ausgaben im Netz zur Verfügung. Der Blog dokumentiert Entdeckungen, die mir beim Stöbern aufgefallen sind und die vielleicht auch andern Literaturfreunden Spaß machen - denn der größte Teil der Texte ist nie in Buchform erschienen bzw. nur noch schwer zu erreichen.

Das gerühmte Feuilleton nach 1900 steht dabei im Zentrum dieser Anthologie - aber ich werde natürlich auch auf bemerkenswerte Meldungen aller Jahrgänge und interessante Artikel des 19. Jahrhunderts aufmerksam machen.

Freitag, 10. Juli 2009

Gabriele Tergit: Empfehlenswerte Methoden, eine Dame anzusprechen (1934)

Welch ein Service: Tips zum Anbaggern von der Grand Dame des deutschen Feuilletons höchstselbst! Gabriele Tergit gehörte zu den einflußreichsten Journalistinnen der Weimanrer Republik, war Mitglied der Redaktion des "Berliner Tageblatts" und auch als Gerichtsreporterin und Romanschriftstellerin bekannt. Nach der Machtergreifung floh die Jüdin zunächst nach Prag,
wo sie dann eine kurze Zeit fürs PT sehr aktiv war.

In der Universität benutzte mehrere Semester lang ein Student folgende Taktik: "Verzeihen Sie bitte, sind Sie nicht Fräulein Sokolow aus Moskau?" "Nein." - "Sollte ich mich so irren? Sie haben doch in Freiburg Nationalökonomie studiert." -
Da er aber nie den Namen änderte, Moskau, Freiburg, Nationalökonomie, sprach sich die Geschichte mit Fräulein Sokolow sehr schnell herum.

Ausgabe 14.1.1934, Seite 4

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