Das Prager Tagblatt

Das Prager Tagblatt entwickelte sich nach 1900 zu einer der aufregendsten und hochkarätigsten Tageszeitungen Europas.
Es beschäftigte einige der berühmtesten Feuilletonisten der Zeit:
Egon Erwin Kisch, Joseph Roth, Alfred Polgar, Anton Kuh, Max Brod, Alfred Döblin und viele andere. Außerdem verfügte es über exzellente Auslandskorrespondenten und veröffentlichte andere große Feuilletons befreundeter Redaktionen, u.a. Texte von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Sling und Victor Auburtin.

Seit einigen Jahren stellt die Wiener Nationalbibiliothek die Ausgaben im Netz zur Verfügung. Der Blog dokumentiert Entdeckungen, die mir beim Stöbern aufgefallen sind und die vielleicht auch andern Literaturfreunden Spaß machen - denn der größte Teil der Texte ist nie in Buchform erschienen bzw. nur noch schwer zu erreichen.

Das gerühmte Feuilleton nach 1900 steht dabei im Zentrum dieser Anthologie - aber ich werde natürlich auch auf bemerkenswerte Meldungen aller Jahrgänge und interessante Artikel des 19. Jahrhunderts aufmerksam machen.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Arnold Höllriegel: Das Kino kriegt Kinder (1924)

Das Pt bestellte zwar eine Menge Texte bei großen Schriftstellern - viele schrieben von Wien oder Berlin aus - besaß aber nur wenige berühmte "Hausautoren", die fast ausschließlich für das PT schrieben.
Zu ihren gehört das Faktotum Arnold Höllriegel, der neben Ernst Feigl (-ei), dem Gerichtsreporter, wohl die meisten Texte im Blatt verfaßt hat. Er war ein Vielschreiber, hielt sich aber angesichts seines immensen Pensums nicht schlecht, und manche andere Zeitung hätte sicher gern einen Feuilletonisten seines Kalibers eingestellt. Aber es gab halt nur einen Höllriegel, der mit immer gleichem gutmütigen Humor über alles und und alle schrieb...
Hier malt er - schon zu Stummfilmzeiten - die teuflischen Abgründe Hollywoods aus. Ein schöner Kontrast zu Lubitschs Artikel.

"Diese Filmstadt Hollywood steht längst in meinem großen Register als der mögliche Geburtsort des Antichrists, kurz vor dem Weltuntergang. Er wird dort geboren werden, und man wird die Niederkunft seiner Mutter abfilmen und sein erstes Strampeln in der Wiege -- diese Stadt, die ganz auf Schein gestellt ist, muß diese Wiege nicht grade in ihr stehen?"

Ausgabe vom 29.11. 1924, Seite 4

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