Auf den ersten Blick eine typische oberflächliche Sommerloch-Plauderei. Wie uns doch diese Probleme alle gar nichts mehr angehen! Sie erinnern an Wiener Operettenkonflikte. In Szene Eins simuliert die Hausfrau irgendwelche Krankheiten, um ins "Bad" fahren zu können. Dort angekommen, tobt sie sich aus:
"Sie fehlt bei keinem Segelausflug, bei keiner Lown-Tennis-Partie. Ihre Laune ist wolkenlos, ihr Appetit glänzend. Sie wird nicht müde, ihre Toiletten und die von Hause mitgebrachten größeren - Geldscheine zu wechseln..."
In Szene 2 schicken Eltern ihre Tochter ins Bad, weil sie - shocking! - fast 30 und immer noch nicht unter der Haube ist.
Wer genauer hinsieht, entdeckt im 3. Teil, dem Resümee, wie sich der biedermeierliche Plauderton allmählich in den Feuilleton-Ton der Moderne verwandelt - und nicht zufällig war Julius Freund ein wichtiger Autor der Jahrhundertwende, der aus Plaudereien Literatur machte und aus Schlagern Couplets - er kreierte u.a einige (gute!) Texte für Nelson-Revuen.
Und er findet in diesem Text eins der großen Schlagwörter für das moderne Feuilleton, wenn er in seiner Skizze von Hoffnungen und Wünschen spricht, "die unser literarischer Momentapparat in(...) Augenblicksbildern festgehalten hat."
Ausgabe vom 29.6.1894, Seite 1 u.2
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Das Prager Tagblatt
Das Prager Tagblatt entwickelte sich nach 1900 zu einer der aufregendsten und hochkarätigsten Tageszeitungen Europas.
Es beschäftigte einige der berühmtesten Feuilletonisten der Zeit:
Egon Erwin Kisch, Joseph Roth, Alfred Polgar, Anton Kuh, Max Brod, Alfred Döblin und viele andere. Außerdem verfügte es über exzellente Auslandskorrespondenten und veröffentlichte andere große Feuilletons befreundeter Redaktionen, u.a. Texte von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Sling und Victor Auburtin.
Seit einigen Jahren stellt die Wiener Nationalbibiliothek die Ausgaben im Netz zur Verfügung. Der Blog dokumentiert Entdeckungen, die mir beim Stöbern aufgefallen sind und die vielleicht auch andern Literaturfreunden Spaß machen - denn der größte Teil der Texte ist nie in Buchform erschienen bzw. nur noch schwer zu erreichen.
Das gerühmte Feuilleton nach 1900 steht dabei im Zentrum dieser Anthologie - aber ich werde natürlich auch auf bemerkenswerte Meldungen aller Jahrgänge und interessante Artikel des 19. Jahrhunderts aufmerksam machen.
Es beschäftigte einige der berühmtesten Feuilletonisten der Zeit:
Egon Erwin Kisch, Joseph Roth, Alfred Polgar, Anton Kuh, Max Brod, Alfred Döblin und viele andere. Außerdem verfügte es über exzellente Auslandskorrespondenten und veröffentlichte andere große Feuilletons befreundeter Redaktionen, u.a. Texte von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Sling und Victor Auburtin.
Seit einigen Jahren stellt die Wiener Nationalbibiliothek die Ausgaben im Netz zur Verfügung. Der Blog dokumentiert Entdeckungen, die mir beim Stöbern aufgefallen sind und die vielleicht auch andern Literaturfreunden Spaß machen - denn der größte Teil der Texte ist nie in Buchform erschienen bzw. nur noch schwer zu erreichen.
Das gerühmte Feuilleton nach 1900 steht dabei im Zentrum dieser Anthologie - aber ich werde natürlich auch auf bemerkenswerte Meldungen aller Jahrgänge und interessante Artikel des 19. Jahrhunderts aufmerksam machen.
Samstag, 11. Juli 2009
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